Wo auf der einen Seite die Stimmen aus Politik, Interessensverbänden und Tierschutzorganisationen für mehr Nachhaltigkeit und Tierschutz immer lauter werden, geht es auf der anderen Seite bei den landwirtschaftlichen Betrieben derweil um die blanke Existenz. Für 1,27 Euro pro kg Schweinefleisch oder 15 Cent für einen Liter Milch schreiben Betriebe tiefrote Zahlen. Mögliche Wege aus der Krise werden bereits von allen Beteiligten breit diskutiert und die Situation lässt sich nicht einfach auf die Angebot- und Nachfragesituation abrollen. Auch die hohen Marktanteile der Discounter, steigende politische Auflagen und letztlich auch das Konsumentenverhalten wirken zunehmend auf die Erzeuger ein. Fakt ist: Unsere Lebensmittel sind sicher und die Qualität ist landwirtschaftlicher Erzeugnisse ist nirgends höher. Die Tiere werden unter weltweit höchsten Standards gehalten, Halter werden jahrelang weitergebildet und jeder Schritt lückenlos von der Ladentheke bis zum Landwirt zurückverfolgt. Unsere Lebensmittel sind sicher, gut und vor allem eins: günstig! Aber wie können wir das erhalten und wie sollen die Erzeuger dabei den Forderungen nach einer „bäuerlichen Landwirtschaft“ gerecht werden?

Was fehlt ist ein Fahrplan,

denn vielen Betrieben läuft die Zeit weg. Pitayas aus Mexiko, Tee aus Südafrika oder kanadische Garnelen, das Angebot in deutschen Supermärken ist riesig und Theken voll belegt. Vielleicht zu voll. Vielleicht ist es gerade die Fülle an Lebensmitteln, die unsere Wertschätzung an landwirtschaftlichen Produkten schwinden lässt?

Die Bereitschaft in Tierwohl zu investieren ist an dem Anlauf zur Initiative Tierwohl deutlich zu erkennen, die höhere Standards in Ställen über einen Fond vergütet. Ein guter Ansatz, der jedoch nur einen geringen Teil der Betriebe abdeckt. Für die Betriebe muss eine Lösung her, die vor allem die Sicherheit mitbringt, dass ein nachhaltig produziertes Produkt seinen Preis hat und von diesem auch bei dem ursprünglichen Erzeuger noch etwas ankommt. Das geht allerdings nicht, wenn die großen fünf Discounter die Preise ihrer so genannten „nachhaltigen Milch“ nochmals um 10 Cent reduzieren oder Real das Kilo Hähnchenschenkel für 1,16 Euro „verschleudert“. Zu den Preisen wird die Landwirtschaft wohl eher „nachhaltig“ aus Deutschland verschwinden.