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Ich will nicht jammern, nein eigentlich sind wir Landwirte ja auch Unternehmer. Wir leiten ein Unternehmen, als “eine wirtschaftlich selbständige Organisationseinheit, die mit Hilfe von Planungs- und Entscheidungsinstrumenten Markt- und Kapitalrisiken eingeht und sich zur Verfolgung des Unternehmenszweckes und der Unternehmensziele eines oder mehrerer Betriebe bedient” (Wikipedia). Das ist ja eigentlich auch ganz klar, dass wir mit unserer Arbeit am Ende des Tages eine Familie ernähren wollen. Um dies zu gewährleisten haben wir in den vergangenen Jahren viel investiert, wir haben Effizienz und Nachhaltigkeit gesteigert, wir haben Ställe und Landmaschinen modernisiert. Die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten ist so enorm, dass wir es uns vor lauter Lebensmitteln gar nicht mehr vorstellen können wie es ist, Hunger zu leiden und haben dabei auch den Bezug zum eigentlichen Ursprung der Lebensmittel verloren. In den Medien wird dieser Ursprung immer wieder aufgeführt, denn mit der so genannten “Massentierhaltung”, Wurst die so schädlich ist wie eine Zigarette oder Pestizide, die literweise auf unsere Felder gegossen werden, suggerieren sie ein Bild der Landwirtschaft, das eher einem Bösewicht als einem Welternährer gleicht. Wir steuern scheinbar auf einen Abgrund zu und die Schlagzeilen werden nicht lange auf sich warten lassen. Wieder werden Ängste auf Kosten der Erzeuger geschürt und wieder macht sich Verunsicherung breit. Natürlich ist nicht alles perfekt und Projekte wie beispielsweise die Initiative Tierwohl  machen eine Weiterentwicklung deutlich, wie es sie auch in den vergangenen Jahrzehnten ständig gegeben hat. Ein anderes Problem ist aber, dass wir bäuerliche Landwirtschaft fordern, sie aber durch immer noch hinzukommende Auflagen zur Aufgabe zwingen. Wenn ich ein Feld dünge, ein Tier impfe, ich Schadnager bekämpfe oder ich den Anbau plane, habe ich stets entsprechende Dokumentationen vorzuweisen. Ich brauche Anbauplanung und Fruchtfolge, Ackerschlagkartei, Nährstoffvergleiche, Lieferverträge, Betriebsspiegel, Auszüge aus Meldeprogrammen, Humusbilanzen und vieles mehr (Von den steuerlichen Unterlagen mal ganz abgesehen). Dabei setzt die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln neben der Ausbildung und einem mehrjährigen Studium einen entsprechenden Ausweis voraus, welcher wiederum nur durch die Teilnahme an gesonderten Seminaren ausgehändigt wird. Der Druck von NGO`s und Politik auf die Landwirtschaft steigen und der Handlungsspielraum des gelernten Landwirten schwindet. Klar ist: Die Landwirte haben einen entscheidenden Einfluss auf Tiere und Umwelt! Nicht umsonst durchlaufen sie heute einen Bildungsweg bis hin zum akademischen Niveau. Aber wie viel Selbst & Ständig steckt noch in unserer Landwirtschaft und welchem Gewicht wird ihren Ansichten zukünftig noch zugesprochen. Wenn wir eine bäuerliche Landwirtschaft wollen, dann geht das nicht mit Ordnungspolitik, sondern mit den Landwirten zusammen!