Es ist eine düstere Zeit für die Landwirtschaft. Nicht, das sich nur die Erzeugerpreise auf eine langanhaltende Talfahrt begeben haben und auf die Erzeuger niederschlagen, so sind es auch die Rahmenbedingungen, die Landwirte zunehmend unter Druck setzen. Die Auflagen werden immer strenger, Verordnungen geben vor wann Arbeiten durchzuführen sind und die lückenlose Dokumentation gewährleistet, dass dies auch noch Jahre später über das Archiv zurückverfolgbar sind, die auf den Höfen unausweichlich installiert werden müssen. Nun sind Landwirte heute hochgebildet und beherrschen neben ihrem Handwerk selber auch die Kunst des Zeitmanagements, um dem Wust an Papieren überhaupt gerecht werden zu können. So kämpfen sie sich durch ihren Tag – jeden Tag!

Am Abend heißt es abschalten, was für Landwirte heute voraussetzt, ausschließlich auf das Medium “Bücherroman” oder Raufasertapete zurückzugreifen, wenn sie nicht damit konfrontiert werden wollen, wie sie die “Agrarwende” dauerhaft aufs Sofa verbannen könnte. Düstere Zeiten also? Der Sachverständigenrat für Umweltfragen hat am Dienstag sein “Umweltgutachten 2016” veröffentlicht. Hier kommt besonders die Agrarpolitik schlecht weg. Gerade der übermäßigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wird kritisiert. “Die Potenziale für einen effizienteren Einsatz von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln in der landwirtschaftlichen Produktion” seien erheblich, heißt es. Aber wie hat sich die Landwirtschaft bis dato entwickelt?

Technik zugunsten der Natur 

Es beginnt auf dem Smartphone – ein Blick auf die Wetterapp gibt schon Tage im voraus eine präzise Aussage darüber, welche Maßnahmen auf dem Acker möglich sind. Gibt es Bodenfrost? Wann kommt der Regen? Dass alles sind entscheidende Fragen, die ein Landwirt sowohl bei der Düngung, als auch bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln berücksichtigen muss. Kontrolle vom Handy und Kontrolle aus der Luft. Seit 2000 im zivilen Gebrauch stellt das Global Positioning System (GSP) einen weiteren technischen Durchbruch dar, von dem schon kurze Zeit später in der Landwirtschaft Gebrauch gemacht wurde und in der Bewirtschaftung der Felder heute weit verbreitet ist. Das GPS ermöglicht den Einsatz präziser Technik, die eine automatische Abschaltung von Teilbreiten und dadurch das vermeiden von Überlappungen ermöglicht, wie es in der Abbildung erkennbar ist.

Vergleich von Düngung und Pflanzenschutzmaßnahmen mit und ohne Teilbreitenschaltung

Vergleich von Düngung und Pflanzenschutzmaßnahmen mit und ohne Teilbreitenschaltung

Durch das “Auge im Himmel” werden Grenzen der Felder erkannt und auf Teilflächen können Pflanzenschutzmitteln oder Dünger variabel ausgebracht werden. Letztlich spart der Landwirt damit Dünger und Pflanzenschutzmittel ein. Auch die lückenlose Dokumentation lässt sich durch intelligente Technik einfach umsetzten, denn neue Software vernetzt die Planung des Ackerbaus mit Pflanzenschutzspritze, Düngerstreuer & Co, hält genau nach was auf dem Feld passiert ist und gleicht den aufgebrachten Dünger mit dem Bedarf der Pflanzen ab. Nun, der Forderung, dass “sowohl die Anwendungsdaten, die die beruflichen Anwender laut Pflanzenschutzgesetz vorhalten müssen, als auch Daten, die im Rahmen von gesetzlich vorgeschriebenen statistischen Erhebungen gewonnen werden” regelmäßig den zuständigen Behörden zur Verfügung gestellt werden sollen, kann durch diese Technik wohl gewährleistet werden.

Letztlich stellt der Ackerbau die Versorgung mit Lebensmitteln sicher, mit denen ein Landwirt Generation für Generation “seine Brötchen verdient”. Nur aus einer nachhaltige Bewirtschaftung heraus ist es möglich, Böden über Jahrhunderte hinweg zu erhalten, Erträge zu steigern und das fortbestehen der Existenz zu sichern. Keiner kennt die Felder besser, als der Landwirt, der sie bewirtschaftet. Es bleibt zu hoffen, dass die im Umweltgutachten bezeichneten Zielkonflikte im Umwelt- und Naturschutz nicht auf dem Rücken der Ernährungssicherung, der Landwirte, ausgetragen, sondern eine praktikable Lösung gefördert und die Erzeuger selber auf diesem Weg begleitet werden.