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Gerade gestern veröffentlichten die Grünen im Landtag NRW eine Dokumentation ihrer Veranstaltung vom 4. März 2016 „6. Runder Tisch gegen Massentierhaltung.“ Gegen Massentierhaltung ließ es auch der Vorsitzender der grünen Bundestagsfraktion Anton Hofreiter kürzlich verkünden, der im Rahmen seiner Buchvorstellung „Fleischfabrik Deutschland” für einen Ausstieg aus der Massentierhaltung in den nächsten 20 Jahren plädierte. Nein, sie soll gar „beseitigt“ werden.

Der Runde Tisch orientierte sich stark an dem Gutachten „Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“, welches im März 2015 vom Wissenschaftlichen Beirat für Agrarpolitik (WBA) beim BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) vorgelegt wurde.

Ich für meine Person verschließe mich nicht vor einer Weiterentwicklung, sondern blicke gerade als Berufseinsteiger optimistisch in die Zukunft und auch das Gutachten bringt einige Aspekte mit sich, die eine solche Entwicklung wegweisend mitbestimmen können. Wenn wir zurück an den Runden Tisch gehen, so bringt auch die wissenschaftlich fundierte Grundlage einen gewissen Beigeschmack mit sich.

Auszug „Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“

Auszug „6. Runder Tisch gegen Massentierhaltung“

1.       Zugang aller Nutztiere zu verschiedenen Klimazonen, vorzugsweise Außenklima,

2.       Angebot unterschiedlicher Funktionsbereiche mit verschiedenen Bodenbelägen,

3.       Angebot von Einrichtungen, Stoffen und Reizen zur artgemäßen Beschäftigung, Nahrungsaufnahme und Körperpflege,

4.       Angebot von ausreichend Platz,

5.       Verzicht auf Amputationen,

6.       routinemäßige betriebliche Eigenkontrollen anhand tierbezogener Tierwohlindikatoren,

7.       deutlich reduzierter Arzneimitteleinsatz,

8.       verbesserter Bildungs-, Kenntnis- und Motivationsstand der im Tierbereich arbeitenden Personen und

9.       eine stärkere Berücksichtigung funktionaler Merkmale in der Zucht.

1.       Auslauf und Zugang zu Außengelände

2.       Angebot unterschiedlicher Funktionsbereiche (keine Vollspaltenböden mehr)

3.       Beschäftigungsmaterialien

4.       Ausreichend Platz

5.       Verzicht auf Amputationen

6.       Eigenkontrollen anhand von Tierwohlindikatoren (dahinter stecke die Frage, ob die Landwirt*innen dazu qualifiziert genug seien)

7.       Reduzierter Einsatz von Arzneimitteln

8.       Verbesserte Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter*innen

9.       Überprüfung der Zuchtziele

Die Frage nach der Qualifikation ist hier natürlich besonders interessant. Lässt man es an dieser Stelle außen vor, dass Vorsitzender der grünen Bundestagsfraktion, den Verbot einer nicht definierten Massentierhaltung fordert und das Thema auch „im Wahlkampf ganz oben ansiedeln werden“ soll, dann stelle ich trotzdem noch sehr in Frage, wer die entscheidenden Qualifikationen mitbringt.

Sind es nicht die Erzeuger, die ihre konkreten Erfahrungen aus der Praxis in die Wissenschaft mit einbringen, um relevante Fragestellungen formulieren zu können?

Sind es nicht die Landwirte, die zuletzt die Standards in den Ställen einhalten und umsetzen, oder nehmen das dann auch die Grünen in die Hand?

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IMG_5159Wenn wir auf unserem Familienbetrieb über Landwirtschaft sprechen, dann sprechen wir über drei Generationen, dann sprechen wir über 80 Jahre praktische Erfahrung, dann sprechen wir davon, heute schon an die Genration von morgen zu denken. Zum Vergleich: 80 Jahre entspricht 20 Legislaturperioden.

Wie es außerdem in dem Dokument heißt, seien in noch nicht einmal zehn Jahren 90 Prozent der Sauenhalter weggebrochen. Die Forderung nach dem Erhalt einer familiären Landwirtschaft begrüße ich sehr. Keine andere Branche hat einen so großen Einfluss auf die Kulturlandschaft, wie die Landwirte, wie Ihre Landwirte vor Ort. Es wäre ein großer Verlust und äußerst Schade, wenn dies in Zukunft nicht mehr möglich wäre. Ja, „GRÜNE seien jedoch nicht der Partner für die Expansion“, so sind es doch gerade die immer weiter steigenden Auflagen und Forderungen, welche eine familiäre Landwirtschaft auf das Abstellgleis geführt haben. Forderungen, die einem Betrieb nicht nur hohe Investitionen abverlangen, sondern darüber hinaus mit einen ‘bürokratischen Wahnsinn’ konfrontieren, der ohne Sekretärin kaum noch zu Stämmen ist.

Zwar steht die Tierhaltung ganz oben auf der Agenda, so fühlt man sich als Familienbetrieb doch ganz weit davon entfernt.

Links:

  • http://gruene-fraktion-nrw.de/fileadmin/user_upload/ltf/Publikationen/Dokumentationen_Broschueren/1606-Massentierhaltung.pdf
  • http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ministerium/Beiraete/Agrarpolitik/GutachtenNutztierhaltung-Kurzfassung.pdf?__blob=publicationFile

 

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