Ein Landwirt zeigt die Wirklichkeit

Wenn Thomas Fabry nach seinem Beruf gefragt wird, muss er erst einmal nachdenken. Öffentlichkeitsarbeiter? Schweinezucht-Profi? Student? Filmemacher? „Ach, sagen wir doch einfach, ich bin Kämpfer für die Landwirtschaft“, meint er dann. „Das passt.“ Und dieser Kampf ist ihm wirklich wichtig. Denn: „Das Bild, das sich die Öffentlichkeit von der Landwirtschaft macht, hat oft nur wenig mit der Realität zu tun.“ Das sei entweder geprägt von romantisierenden Vorstellungen oder massiven Vorurteilen. „Und da muss man doch was tun, oder?“

Er jedenfalls tut was. In ganz Deutschland war der 26-Jährige dazu schon unterwegs. Hat mit zahllosen Menschen gesprochen, Filme gedreht, ist im Fernsehen aufgetreten, und die Veranstaltungen, auf denen er bereits Vorträge gehalten – „ehrlich gesagt, die kann ich schon gar nicht mehr zählen“. Unter „Fabrykant“ ist er im Internet aktiv, als Autor schreibt er für die Plattformen „Ich-liebe-Landwirtschaft.de“, und dass er regelmäßig Instagram, Twitter und Snapchat nutzt, „na ja“, sagt er, „das ist ja eigentlich klar.“

Dabei geht’s ihm immer um dieselbe Sache: das Bild des Landwirts zu verbessern. Denn: „Das ist auch wirklich nötig.“

Er kann das beurteilen. Schließlich kommt der gebürtige Sauerländer, wie er sagt, „direkt aus der Schweinehaltung“. Und da müsse man sich schon „so einiges anhören“.

Ursprünglich war geplant, dass er mal den Hof seines Vaters übernehmen sollte; deshalb machte er auch zunächst eine Ausbildung zum Landwirt. Nach dem Fachabitur folgte ein Landwirtschaftsstudium in Osnabrück, „und dort“, erinnert er sich, „ging es auch schon los mit der Öffentlichkeitsarbeit“.

„Massentierhaltung aufgedeckt – So sieht es in deutschen Ställen aus“ nannte sich die Facebook-Initiative, die er mit mehreren Kommilitonen ins Leben rief. Da gab’s dann Fotos, Videos, Stellungnahmen und kritische Diskussionen. „Manche fragten uns sogar: Seid ihr denn nun dafür oder dagegen?“

Für Thomas Fabry war das allerdings „die falsche Frage“. Denn: „Wir wollten aufklären, für Transparenz sorgen, ehrlich berichten.“ Um das zu gewährleisten, wurde 2014 der gemeinnützige Verein „Tierhaltung modern und transparent“ gegründet. Dessen Arbeit wurde schon bald mit ersten Auszeichnungen gewürdigt, und als Thomas Fabry auch noch den Förderpreis der Agrarwirtschaft erhielt, nutzte er das Geld für eine Weiterbildung an der Social Media Akademie – neben seinem Master-Studium in Osnabrück.

Seine neuerworbenen Kenntnisse brachten ihm schon bald die ersten Aufträge ein. Hier mal ein Filmchen schneiden, dort mal ein paar Fotos machen und schließlich der erste große Auftrag: ein Video über eine Landfrauen-Veranstaltung. Schnell mietete er sich eine hochwertige Kamera („ich wusste zunächst nicht mal, wie die angeht“) – und zu seiner eigenen Überraschung entstand dabei tatsächlich ein richtig gutes Video.

Etliche andere folgten. Und bald wurde er auch gern als Experte für Social Media eingeladen. Da erzählte er dann etwas von Suchmaschinen-Optimierung, Website-Gestaltung, Facebook-Auftritten, und vor allem wollte er den Landwirten die Angst vor den sozialen Netzwerken nehmen. Außerdem konnte er dabei gleich mit einem Vorurteil aufräumen: „Viele Landwirte glauben doch bis heute, dass Öffentlichkeitsarbeit gar nicht gebraucht werde.“ Ein verhängnisvoller Irrtum, wie er sagt. Denn damit überlasse man ja nur den anderen das Feld.

Deshalb startete er 2018 sein bisher größtes Video-Projekt: eine Landwirtschaftsreise durch ganz Deutschland zusammen mit der „Erklärbäuerin“ Annika Ahlers. Unterstützt von Rentenbank und Bayer. Road Trip Agrar nannten sie die Tour: 4.500 Kilometer mit dem Käfer von einer Fußgängerzone zur anderen. Nur um mit Menschen vor der Kamera über Landwirtschaft zu sprechen. Deren Fragen wurden dann einem Landwirt in der Umgebung gestellt. Und daraus wiederum entstanden Videos, die, so Fabry, „richtig gut ankamen“. Das Ergebnis: mehr als eine halbe Million Menschen erreicht; dazu Fernsehen, Hörfunk und über 30 Medien-Beiträge. Obendrein noch zahllose Kontakte: „Mir schien, als würde die gesamte Landwirtschaft über diese Tour sprechen.“

Ganz nebenbei veröffentlichte Fabry zusammen mit der Landwirtschafts-Bloggerin Jutta Zeisset einen Leitfaden zur Öffentlichkeitsarbeit: „Social Media für Landwirte“ nennt sich das Buch – und auch das wurde prompt zum Erfolg. Insbesondere auch für die Kinderkrebshilfe, denn an die geht der Erlös. Inzwischen ist die Erstauflage beinahe ausverkauft und ein zweites Buch bereits in Planung.

Besonders gefreut hat er sich über einen Auftrag der Landwirtschaftskammer. Die wünscht sich von ihm Videos über alternative Verfahren zur Ferkelkastration. Und weil die auch für Laien verständlich sein sollen, habe man ihn beauftragt. „Das mache ich unheimlich gern“, bestätigt Fabry. Nicht zuletzt, weil er sich da ja richtig gut auskenne. So gut, dass er während der Dreharbeiten auch schon mal für zwei Stunden die Kamera beiseitelegen musste, um selbst mit anzupacken. 

Die Video-Arbeit soll denn in Zukunft auch ganz oben stehen. Dabei sieht er sich als Dienstleister für die gesamte Branche. Themen gebe es schließlich genug. Von der Gentechnik bis zum Pflanzenschutz. Vom Bergbauern bis zum Großbetrieb. Wichtig seien ihm immer nur Ehrlichkeit und Transparenz. Denn: „Ich bleibe natürlich Überzeugungstäter.“